Auch wenn lokale Kleinbrauereien wieder in Mode gekommen sind, stammt das Bier doch meist von einer der grossen internationalen Braufirmen. Um 1900 hatte Lenzburg noch eigene Brauereien, die Brauerei am Schlossberg und die Bierbrauerei Felsenkeller. Deren markantes Brauereigebäude steht immer noch und dient heute der Verzinkerei Lenzburg AG. Die Gebäude der Brauerei am Schlossberg sind dagegen längst abgebrochen worden.
wurde von Gottfried Adolf Maximilian Spengler um 1860 errichtet.
Spengler hatte auch eine eigene Absatzquelle: Er eröffnete 1862 an der Niederlenzerstrasse im Hause seines Vaters eine Pintwirtschaft. Dieses Lokal hiess später «Restaurant Post» (siehe Titelbild). Es wurde 1990 abgebrochen. Eine Bierbrauerei erforderte grosse Investitionen und damit entsprechenden Bierabsatz. Damit haperte es aber, und Spenglers Geschäft lief nicht gut. So musste die Liegenschaft 1876 versteigert werden. Auch ein Nachfolger gab schon bald auf.
1885 kaufte der aus Jauernig (damals in österreichisch Schlesien, heute in Tschechien) stammende Josef Elsner die Liegenschaft. Er hatte den Brauerberuf in seiner Heimatstadt erlernt und Wanderjahre in Budapest und Wien verbracht. Dank seinem beruflichen Können und mit zähem Einsatz brachte er die Brauerei am Schlossberg auf Erfolgskurs. Er errichtete am Standort des heutigen Schlossparkplatzes ein grosses Bier- und Eiskellergebäude, das erst 1963 abgerissen wurde, nachdem es in den Besitz der Stadt gekommen war.
Seit 1893 gehörte Schloss Lenzburg dem Amerikaner August Eduard Jessup. Dieser litt unter den von der Mälzerei der Brauerei am Schlossberg zu seinen Schlafzimmerfenstern aufsteigenden Dämpfen und Gerüchen. Er versuchte daher, die Brauerei zu kaufen, Elsner wollte sie aber nicht hergeben. Als nach 1900 die Brauerei Felsenkeller einmal mehr feil war (vgl. dazu weiter unten), griffen Baumeister Theodor Bertschinger und Schlossherr A.E. Jessup zu. Sie boten die Brauerei Felsenkeller hierauf Elsner im Tausch gegen seine Brauerei am Schlossberg an. Weil er so verhindern konnte, dass ein Konkurrent den Felsenkeller übernahm, stimmte Elsner diesem Geschäft zu, und wir können sein weiteres Schicksal im Kapitel Bierbrauerei Felsenkeller verfolgen.
Ihre Gebäude dominieren noch heute den Fuss des Goffersberges am Ende des Brauereiweges. Errichtet wurde diese Brauerei nach 1860 von Eduard Kunkler-Hünerwadel. Er stammte aus St. Gallen und wurde in Lenzburg 1863 eingebürgert. Seine Frau stammte aus dem weit verzweigten Lenzburger Geschlecht der Hünerwadel. Ab 1865 liess Kunkler den grossen, mehrere Stollen und Kavernen umfassenden Felsenkeller aus dem Sandstein des Goffersberges ausbrechen. Davon zeugt noch heute der Schlussstein über dem Eingangstor mit den Initialen des Bauherrn: E K 1865.
Damals gab es noch keine mechanisch angetriebenen Kühlmaschinen. Deshalb musste man das Bier mit Eis kühlen. Unterliess man dies, verdarb es in der warmen Jahreszeit rasch. Der Felsenkeller mit seiner niedrigen Temperatur diente der Lagerung des mit Sägemehl zusätzlich isolierten Eises über längere Zeit. Das Eis gewann man – in den damals noch üblichen kalten Wintern – beispielsweise beim Fünfweiher. Das Eis kühlte dann auf den Fuhrwerken der Brauerei und in den Kellern der Gaststätten das Bier.
Der Felsenkeller war für die damalige Zeit ein Riesenbauwerk und, zusammen mit den Brauereigebäuden und deren Einrichtung, eine sehr grosse Investition. Kunklers Einnahmen aus dem Brauereibetrieb reichten nun aber nicht aus, um diese zu verzinsen und zu amortisieren. 1876 übernahm einer seiner Gläubiger das Unternehmen. Man bildete nun die «Aktienbrauerei zum Felsenkeller». 1886 übernahm sie der bisherige Braumeister Philipp Bernhard Lang. Er konnte bis 1900 durchhalten, dann musste auch er das Gut seinen Gläubigern abtreten. Nun traten Baumeister Theodor Bertschinger und Schlossbesitzer A.E. Jessup auf den Plan und vermittelten die Bierbrauerei Felsenkeller im Tausch gegen die Brauerei am Schlossberg an Josef Elsner. Diese wurde stillgelegt, und der Schlossherr war fortan die störenden Gerüche los.
Josef Elsner führte die Bierbrauerei Felsenkeller mit grossem Einsatz und Ausdauer fort. Doch erwuchs den kleineren Brauereien zusehends Konkurrenz durch die im Zeitalter der Industrialisierung entstehenden kapitalkräftigen Grossbrauereien, die vom Ausbau der Eisenbahnverbindungen profitierten und das Bier durch technische Kühlanlagen und industrielle Prozesse besser haltbar machten.
1928 verkaufte Josef Elsner die Brauerei «Felsenkeller» einem Vertreter der Brauerei «Feldschlösschen». Die Gebäude wurden unter der Bedingung weiterverkauft, dass darin nie mehr Bier gebraut werde. 1946 erwarb sie Werner Kunz, der eine Grastrocknungsanlage betrieb und entsprechende Maschinen baute. Im Felsenkeller wurden grosse Mengen Obst gelagert. 1964 verlegte die Firma Kunz ihren Betrieb nach Dintikon. Die Gebäude gingen an die Firma Verzinkerei Lenzburg AG. Der Felsenkeller wurde 1965 von der Stadt Lenzburg erworben. Die Absicht, ihn für Zwecke des Zivilschutzes zu verwenden, wurde nie umgesetzt. Dementsprechend sind die Kavernen heute leer, und die technischen Einrichtungen (Elektrizität und Standseilbahn für Warentransport) sind stillgelegt.
Von der Ausdauer des Brauers Josef Elsner, der von 1885 bis 1928 mit zähem Fleiss gewirkt hat, zeugt noch heute die lateinische Inschrift über dem Portal und dem Fenster an der Südostfassade: perfer obdura (ertrage, halte aus).
Wer sich näher für die Geschichte der Bierbrauerei in Lenzburg interessiert, dem sei der Artikel von Hans Hänny in den Lenzburger Neujahrsblättern 1975, S. 8 ff. empfohlen: Die Bierbrauerei in Lenzburg.
Die Brauerei am Schlossberg
wurde von Gottfried Adolf Maximilian Spengler um 1860 errichtet.

Ausschnitt eines Plakates der Brauerei «Schlossberg»
Quelle: Lenzburger Neujahrsblätter 1975, S.13
Spengler hatte auch eine eigene Absatzquelle: Er eröffnete 1862 an der Niederlenzerstrasse im Hause seines Vaters eine Pintwirtschaft. Dieses Lokal hiess später «Restaurant Post» (siehe Titelbild). Es wurde 1990 abgebrochen. Eine Bierbrauerei erforderte grosse Investitionen und damit entsprechenden Bierabsatz. Damit haperte es aber, und Spenglers Geschäft lief nicht gut. So musste die Liegenschaft 1876 versteigert werden. Auch ein Nachfolger gab schon bald auf.
1885 kaufte der aus Jauernig (damals in österreichisch Schlesien, heute in Tschechien) stammende Josef Elsner die Liegenschaft. Er hatte den Brauerberuf in seiner Heimatstadt erlernt und Wanderjahre in Budapest und Wien verbracht. Dank seinem beruflichen Können und mit zähem Einsatz brachte er die Brauerei am Schlossberg auf Erfolgskurs. Er errichtete am Standort des heutigen Schlossparkplatzes ein grosses Bier- und Eiskellergebäude, das erst 1963 abgerissen wurde, nachdem es in den Besitz der Stadt gekommen war.
Dem Schlossherrn stinkts
Seit 1893 gehörte Schloss Lenzburg dem Amerikaner August Eduard Jessup. Dieser litt unter den von der Mälzerei der Brauerei am Schlossberg zu seinen Schlafzimmerfenstern aufsteigenden Dämpfen und Gerüchen. Er versuchte daher, die Brauerei zu kaufen, Elsner wollte sie aber nicht hergeben. Als nach 1900 die Brauerei Felsenkeller einmal mehr feil war (vgl. dazu weiter unten), griffen Baumeister Theodor Bertschinger und Schlossherr A.E. Jessup zu. Sie boten die Brauerei Felsenkeller hierauf Elsner im Tausch gegen seine Brauerei am Schlossberg an. Weil er so verhindern konnte, dass ein Konkurrent den Felsenkeller übernahm, stimmte Elsner diesem Geschäft zu, und wir können sein weiteres Schicksal im Kapitel Bierbrauerei Felsenkeller verfolgen.
Die Bierbrauerei Felsenkeller
Ihre Gebäude dominieren noch heute den Fuss des Goffersberges am Ende des Brauereiweges. Errichtet wurde diese Brauerei nach 1860 von Eduard Kunkler-Hünerwadel. Er stammte aus St. Gallen und wurde in Lenzburg 1863 eingebürgert. Seine Frau stammte aus dem weit verzweigten Lenzburger Geschlecht der Hünerwadel. Ab 1865 liess Kunkler den grossen, mehrere Stollen und Kavernen umfassenden Felsenkeller aus dem Sandstein des Goffersberges ausbrechen. Davon zeugt noch heute der Schlussstein über dem Eingangstor mit den Initialen des Bauherrn: E K 1865.

Das Tor zum Felsenkeller mit den auf dem Schlussstein eingemeisselten Initialen des Bauherrn und Baujahr
. Quelle: Foto CM
Damals gab es noch keine mechanisch angetriebenen Kühlmaschinen. Deshalb musste man das Bier mit Eis kühlen. Unterliess man dies, verdarb es in der warmen Jahreszeit rasch. Der Felsenkeller mit seiner niedrigen Temperatur diente der Lagerung des mit Sägemehl zusätzlich isolierten Eises über längere Zeit. Das Eis gewann man – in den damals noch üblichen kalten Wintern – beispielsweise beim Fünfweiher. Das Eis kühlte dann auf den Fuhrwerken der Brauerei und in den Kellern der Gaststätten das Bier.
Eisbruch auf dem Fünfweiher bei Lenzburg am 14. Januar 1901
Quelle: Lenzburger Neujahrsblätter 1975, S.16
Der Felsenkeller war für die damalige Zeit ein Riesenbauwerk und, zusammen mit den Brauereigebäuden und deren Einrichtung, eine sehr grosse Investition. Kunklers Einnahmen aus dem Brauereibetrieb reichten nun aber nicht aus, um diese zu verzinsen und zu amortisieren. 1876 übernahm einer seiner Gläubiger das Unternehmen. Man bildete nun die «Aktienbrauerei zum Felsenkeller». 1886 übernahm sie der bisherige Braumeister Philipp Bernhard Lang. Er konnte bis 1900 durchhalten, dann musste auch er das Gut seinen Gläubigern abtreten. Nun traten Baumeister Theodor Bertschinger und Schlossbesitzer A.E. Jessup auf den Plan und vermittelten die Bierbrauerei Felsenkeller im Tausch gegen die Brauerei am Schlossberg an Josef Elsner. Diese wurde stillgelegt, und der Schlossherr war fortan die störenden Gerüche los.
Josef Elsner führte die Bierbrauerei Felsenkeller mit grossem Einsatz und Ausdauer fort. Doch erwuchs den kleineren Brauereien zusehends Konkurrenz durch die im Zeitalter der Industrialisierung entstehenden kapitalkräftigen Grossbrauereien, die vom Ausbau der Eisenbahnverbindungen profitierten und das Bier durch technische Kühlanlagen und industrielle Prozesse besser haltbar machten.

Die Bierbrauerei Felsenkeller auf einem Briefkopf Elsners von 1901
Quelle: Lenzburger Neujahrsblätter 1975, S. 12
Das Ende der Lenzburger Biere
1928 verkaufte Josef Elsner die Brauerei «Felsenkeller» einem Vertreter der Brauerei «Feldschlösschen». Die Gebäude wurden unter der Bedingung weiterverkauft, dass darin nie mehr Bier gebraut werde. 1946 erwarb sie Werner Kunz, der eine Grastrocknungsanlage betrieb und entsprechende Maschinen baute. Im Felsenkeller wurden grosse Mengen Obst gelagert. 1964 verlegte die Firma Kunz ihren Betrieb nach Dintikon. Die Gebäude gingen an die Firma Verzinkerei Lenzburg AG. Der Felsenkeller wurde 1965 von der Stadt Lenzburg erworben. Die Absicht, ihn für Zwecke des Zivilschutzes zu verwenden, wurde nie umgesetzt. Dementsprechend sind die Kavernen heute leer, und die technischen Einrichtungen (Elektrizität und Standseilbahn für Warentransport) sind stillgelegt.
Von der Ausdauer des Brauers Josef Elsner, der von 1885 bis 1928 mit zähem Fleiss gewirkt hat, zeugt noch heute die lateinische Inschrift über dem Portal und dem Fenster an der Südostfassade: perfer obdura (ertrage, halte aus).

Inschrift über Türe und Fenster der ehemaligen Brauerei Felsenkeller.
Quelle: Foto CM
Wer sich näher für die Geschichte der Bierbrauerei in Lenzburg interessiert, dem sei der Artikel von Hans Hänny in den Lenzburger Neujahrsblättern 1975, S. 8 ff. empfohlen: Die Bierbrauerei in Lenzburg.
Titelbild: Das Restaurant Post, kurz vor dem Abbruch 1990
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Quelle: Fotosammlung Nussbaum, Museum Burghalde
Quelle: Fotosammlung Nussbaum, Museum Burghalde
Über
We Love Lenzburg macht jeden Monat eine Reise ins vergangene Lenzburg.
Christoph Moser, 73, war von 1979 bis 2010 Lenzburger Stadtschreiber.
Seit seiner Pensionierung betreut er das Stadtarchiv, verfasst Vorträge zu historischen Themen und wirkt als Stadtführer. Sein Motto: Die Auseinandersetzung mit der Geschichte hilft uns, unsere Gegenwart besser zu verstehen.