Bereits in der letzten Zeitreise haben wir dargelegt, dass sich nach 2000 ein Neubau für das Bezirksgericht wegen des zusätzlichen Platzbedarfs und wegen der am bisherigen Bezirksgebäude festgestellten Mängeln der Baustatik aufdrängte. Damals war beabsichtigt, das Bezirksgericht im sogenannten «Schneeflöcklihaus» an der Bahnhofstrasse 4 unterzubringen, und diese Planung war bereits weit fortgeschritten, als der heutige Gerichtspräsident sein Amt 2009 antrat.
Leider wollte der Grosse Rat des Kantons Aargau nichts von diesem Projekt wissen und lehnte das Vorhaben ab. Wegen der Statikmängel liess die Stadt den Kanton 2013 wissen, dass das Bezirksgebäude nur noch für eine beschränkte Zeit dem heutigen Zweck dienen könne. Hierauf wurde die Planung beim Kanton wieder intensiviert. Im Dezember 2013 sprach sich der Regierungsrat für das Grundstück am Malagarain für den Standort eines Gerichtsneubaus aus. Die Stadt, die für Bezirksbauten landstellungspflichtig ist, hatte dem Kanton dieses Grundstück angeboten. Aber auch bei diesem Vorhaben dauerte es lange bis zur Vollendung: Projektwettbewerb 2014/15, Projektierungskredit Dezember 2016, Ausführungskredit Juni 2022, Baubewilligung Dezember 2022, nachdem vorher noch ein Gestaltungsplanverfahren durchgeführt werden musste, um die rechtliche Grundlage für die Realisierung des Projektes zu schaffen. Die Bauarbeiten konnten dann in der im Vergleich zur langen Projektierungszeit kurzen Frist von Mitte 2023 bis Mitte 2025 über die Bühne gehen.
In der rechts von der unteren Bildmitte, neben dem östlichsten Hochhaus der Überbauung Marktmatten, beginnenden, nach rechts gewandten Kurve, die im oberen Teil der Foto im Bereich der im Bau stehenden Überdeckung «Erlengut» verläuft, lag früher das Areal des Bahnhofs Lenzburg-Stadt. Das Bahnhofgebäude stand im Bereich des heutigen «Schneeflöcklihauses». Hier verlief die Seetalbahnteilstrecke von Lenzburg Spitzkehre (beim heutigen Niveauübergang der Seetallinie am Bleicherain) nach Wildegg. Dieser Bahnabschnitt wurde 1894 in Betrieb genommen. Der letzte Personenzug von Wildegg nach Lenzburg verkehrte am 2. Juni 1984. Seither bedient der Regionalbus Lenzburg dieses Gebiet. Die meisten Gleise des Stadtbahnhofs blieben aber noch lange Jahre erhalten, denn sie dienten der Zu- und Wegfuhr von Güterwagen zum Mischfutterwerk der ufa nördlich des Bahndamms. Erst am 1. April 2005 endete diese Wagenzustellung und konnten die letzten Gleise abgebrochen werden, die bis dahin der Vollendung des südllichen Teils der Überdeckung «Erlengut» im Wege gestanden waren.
Das neue Gerichtsgebäude ist auf dem Grundstück zwischen Bahndamm und dem Geschäftshaus «Malaga» im Norden und Osten, der Kernumfahrung im Süden und der Überbauung Marktmatten im Westen entstanden. Dieses Grundstück ist auf der Foto am unteren Bildrand erkennbar, reicht aber Richtung Bahndamm noch über den Bildrand hinaus. Die Stadt ist bei der Bereinigung der Eigentumsverhältnisse zwischen Kanton und Gemeinde im Anschluss an den Bau der Kernumfahrung Eigentümerin geworden. An den von der Kernumfahrung beanspruchten Grundstücken waren Kanton und Gemeinde gemeinsam beteiligt. Nach dem Bau der Kernumfahrung wurden die Eigentumsverhältnisse bereinigt: Der Kanton wurde Eigentümer des eigentlichen Strassenareals, die Gemeinde erhielt die restlichen Flächen, wie zum Beispiel das Areal der ehemaligen Bleiche am Aabach, und das Restareal der Bahnlinie Lenzburg-Wildegg von der Spitzkehre bis zur Gemeindegrenze Niederlenz und damit auch grosse Teile des ehemaligen Areals des Stadtbahnhofs. Im nördlichsten Bereich des ehemaligen Stadtbahnhofs hat die Stadt nun dem Kanton das Land für das Bezirksgericht zur Verfügung gestellt.
Eine Aufnahme von Ende der 1940er-Jahre zeigt den sogenannten «Beznauturm» der Transformatorenstation «Zweifel». Diese war bei der Einführung der Elektrizität in Lenzburg im Jahre 1903 errichtet worden. Zusammen mit den weiteren «Beznautürmen» «Wolfsacker» (bei der Hero, an der Ecke Niederlenzer Kirchweg/Breitfeldstrasse), «Löwen» (im Brättligäu, am Schlossberg) und «Strafanstalt» diente sie der Versorgung des Stadtgebietes mit elektrischer Energie. Dieses sogenannte Primärnetz wurde damals von der Motor AG (später Motor-Columbus AG) aus Baden betrieben. Sie hatte von 1898 bis 1902 das Wasserkraftwerk Beznau an der Aare errichtet, und deshalb nannte man diese Transformatorenstationen «Beznauturm».
Als das Aargauische Elektrizitätswerk AEW die Spannung im Zuleitungsnetz von 8 auf 16 Kilovolt erhöhte, mussten von 1949 bis 1954 sämtliche Transformatoren etappenweise von der alten auf die neue Spannung umgewickelt werden. Dies löste den Neubau der Transformatorenstation «Zweifel» aus und brachte den dortigen «Beznauturm» zum Verschwinden (vgl. dazu die nächste Abbildung).
Wo sich heute das Gerichtsgebäude erhebt, lagen früher zwei Abstellgleise des Stadtbahnhofs, und zwischen diesen und dem Malagarain ein Lagerplatz. Dieser diente bis 1931 der Eisenwarenfirma Schwarz (heute Schwarz Stahl AG im Areal zwischen Murackerstrasse und Industriestrasse südwestlich des Bahnhofs), die hier mit Bahnwagen beliefert wurde. Von ca. 1950 bis ca. 1970 hatte der Gartengestalter Eugen Moser hier sein Steinlager. Damals wurden bei der Gartengestaltung häufig Granitplatten aus den Tessiner Steinbrüchen verwendet, die mit der Bahn angeliefert wurden. So ist z.B. die Umgebung der Stadtkirche mit Granitplatten belegt.
Auf der Aufnahme erkennt man ungefähr in der Bildmitte das Gebäude der neuen Transformatorenstation «Zweifel». Links davon, etwas höher gelegen, erkennt man die Umfassungsmauer der Malagakellerei von Alfred Zweifel. Die nahe beim Betrieb gelegenen Gleise dienten auch ihm für die Anlieferung des Weins aus Spanien. Rechts des Trafo-Gebäudes erklennt man ein Gerüst. Damit hat es folgende Bewandtnis: Der Malagarain war eine schmale Strasse in enger Kurve ohne Gehweg, seitlich abgeschlossen durch eine Stützmauer bzw. eine steile Böschung. Für die Sicherheit der Fussgänger errichtete man daher einen provisorischen Gehweg auf einem Gerüst.
Die Villen zwischen Schützenmattstrasse, Niederlenzerstrasse und Bahndamm waren früheren von weiträumigen Grünflächen umgeben. Mitten durch diesen Grünraum wurde von 1964 bis 1967 die Verbindungsstrasse zwischen der Niederlenzerstrasse und der Hendschikerstrasse gebaut. Vorher hatte der gesamte Durchgangsverkehr die Schützenmattstrasse und ab dem Kronenplatz die Rathausgasse (West-Ost-Verkehr) bzw. den Sandweg und die Kirchgasse (Ost-West-Verkehr) benützt. Damit entstand der Verkehrsknoten Freiämterplatz. In diesen mündete der Malagarain als nach wie vor viel schmalere Strasse als die übrigen Äste der Kreuzung.
1985 musste der Freiämterplatz ausgebaut werden, weil er dem hohen Verkehrsaufkommen nicht mehr gewachsen war und der Belag erneuert werden musste. Dies zog eine Anpassung und einen Ausbau des Malagarains mit erheblicher Verbreiterung nach sich. Die Transformatorenstation von 1950 stand diesem Ausbau im Weg und musste durch einen Neubau ersetzt werden.
Selbstverständlich gab es weitere Veränderungen am Malagarain mit dem Bau der Kernumfahrung. Die Fussgänger werden nun auf einem separaten Rad- und Gehweg an der Überdeckung «Erlengut» vorbei in die Marktmatten bzw. auf die Überdeckung geleitet.
Die Transformatorenstation «Zweifel» ist heute in den Untergeschossen in das Gerichtsgebäude integriert und über dessen Parkierungsgeschoss zugänglich.
Im ehemaligen Bahnhofareal ausserhalb des Gerichtsgebäudes hat die Stadt Lenzburg einen Park gestaltet, bepflanzt mit zahlreichen Bäumen, welche in einigen Jahren in der warmen Jahreszeit willkommenen Schatten spenden werden. Im Park sind die Rad- und Gehwege vom Freiämterplatz in die Marktmatten und von der Überdeckung «Erlengut» via den ehemaligen Bahntunnel ins Gebiet nördlich des Bahndamms miteinander vernetzt worden.
Im Moment liegt vor dem Tunnel noch eine dreieckförmige leere Kiesfläche. Hier wird ein Erinnerungsstück an den alten Stadtbahnhof montiert werden: Die Dreifachweiche. Am südlichen Ende des Stadtbahnhofs lag eine Dreifachweiche, d.h. eine Weiche, die vom Stammgleis sowohl nach links wie nach rechts einen abzweigenden Strang aufweist. Sie ist eine Rarität und war seinerzeit wegen der engen Platzverhältnisse nötig: Um auf der kurzen Distanz zwischen dem Bahnübergang der Bahnhofstrasse und der Laderampe der ehemaligen Geschirrhandelsfirma Willener, Rupp & Cie. (heute Villeroy & Boch bzw. Einrichtungsgeschäft Spectrum) auf der einen Seite und dem Bahnhofgebäude auf der anderen Seite je ein zusätzliches Gleis zu haben, konnte man nicht – wie sonst üblich – zwei Weichen hintereinander verlegen, sondern musste sich mit einer Dreifachweiche behelfen, die ab demselben Ausgangspunkt zwei Abzweigungen zuliess.
Mit dem aufgehobenen Seetalbahnteilstück befassen sich übrigens weitere «Zeitreisen» im Band 1 der gedruckten Ausgabe auf den Seiten 72-97 mit den Titeln: Der Eisenbahntunnel, durch den kein Zug mehr fährt; die Spitzkehre; der Stadtbahnhof (November und Dezember 2020, Januar 2021).
Leider wollte der Grosse Rat des Kantons Aargau nichts von diesem Projekt wissen und lehnte das Vorhaben ab. Wegen der Statikmängel liess die Stadt den Kanton 2013 wissen, dass das Bezirksgebäude nur noch für eine beschränkte Zeit dem heutigen Zweck dienen könne. Hierauf wurde die Planung beim Kanton wieder intensiviert. Im Dezember 2013 sprach sich der Regierungsrat für das Grundstück am Malagarain für den Standort eines Gerichtsneubaus aus. Die Stadt, die für Bezirksbauten landstellungspflichtig ist, hatte dem Kanton dieses Grundstück angeboten. Aber auch bei diesem Vorhaben dauerte es lange bis zur Vollendung: Projektwettbewerb 2014/15, Projektierungskredit Dezember 2016, Ausführungskredit Juni 2022, Baubewilligung Dezember 2022, nachdem vorher noch ein Gestaltungsplanverfahren durchgeführt werden musste, um die rechtliche Grundlage für die Realisierung des Projektes zu schaffen. Die Bauarbeiten konnten dann in der im Vergleich zur langen Projektierungszeit kurzen Frist von Mitte 2023 bis Mitte 2025 über die Bühne gehen.
Der Standort
Bild: Die Überdeckung «Erlengut» der Kernumfahrung im Bau, Sommer 2005
Bildquelle: Lenzburger Neujahrsblätter 2008, Seite 36
In der rechts von der unteren Bildmitte, neben dem östlichsten Hochhaus der Überbauung Marktmatten, beginnenden, nach rechts gewandten Kurve, die im oberen Teil der Foto im Bereich der im Bau stehenden Überdeckung «Erlengut» verläuft, lag früher das Areal des Bahnhofs Lenzburg-Stadt. Das Bahnhofgebäude stand im Bereich des heutigen «Schneeflöcklihauses». Hier verlief die Seetalbahnteilstrecke von Lenzburg Spitzkehre (beim heutigen Niveauübergang der Seetallinie am Bleicherain) nach Wildegg. Dieser Bahnabschnitt wurde 1894 in Betrieb genommen. Der letzte Personenzug von Wildegg nach Lenzburg verkehrte am 2. Juni 1984. Seither bedient der Regionalbus Lenzburg dieses Gebiet. Die meisten Gleise des Stadtbahnhofs blieben aber noch lange Jahre erhalten, denn sie dienten der Zu- und Wegfuhr von Güterwagen zum Mischfutterwerk der ufa nördlich des Bahndamms. Erst am 1. April 2005 endete diese Wagenzustellung und konnten die letzten Gleise abgebrochen werden, die bis dahin der Vollendung des südllichen Teils der Überdeckung «Erlengut» im Wege gestanden waren.
Das neue Gerichtsgebäude ist auf dem Grundstück zwischen Bahndamm und dem Geschäftshaus «Malaga» im Norden und Osten, der Kernumfahrung im Süden und der Überbauung Marktmatten im Westen entstanden. Dieses Grundstück ist auf der Foto am unteren Bildrand erkennbar, reicht aber Richtung Bahndamm noch über den Bildrand hinaus. Die Stadt ist bei der Bereinigung der Eigentumsverhältnisse zwischen Kanton und Gemeinde im Anschluss an den Bau der Kernumfahrung Eigentümerin geworden. An den von der Kernumfahrung beanspruchten Grundstücken waren Kanton und Gemeinde gemeinsam beteiligt. Nach dem Bau der Kernumfahrung wurden die Eigentumsverhältnisse bereinigt: Der Kanton wurde Eigentümer des eigentlichen Strassenareals, die Gemeinde erhielt die restlichen Flächen, wie zum Beispiel das Areal der ehemaligen Bleiche am Aabach, und das Restareal der Bahnlinie Lenzburg-Wildegg von der Spitzkehre bis zur Gemeindegrenze Niederlenz und damit auch grosse Teile des ehemaligen Areals des Stadtbahnhofs. Im nördlichsten Bereich des ehemaligen Stadtbahnhofs hat die Stadt nun dem Kanton das Land für das Bezirksgericht zur Verfügung gestellt.
Wie zeigte sich der Standort in früheren Zeiten

Bild: Der ca. 1950 abgetragene «Beznauturm» der Transformatorenstation «Zweifel»; er stand etwa dort, wo sich heute der als «Gedankenspeicher» bezeichnete künstlerische Schmuck des Gerichtsgebäud4es erhebt.
Bildquelle: Städtische Werke Lenzburg, Jubiläumsschrift 1953 «50 Jahre Elektrizität, 40 Jahre Gas, 64 Jahre Wasser»
Eine Aufnahme von Ende der 1940er-Jahre zeigt den sogenannten «Beznauturm» der Transformatorenstation «Zweifel». Diese war bei der Einführung der Elektrizität in Lenzburg im Jahre 1903 errichtet worden. Zusammen mit den weiteren «Beznautürmen» «Wolfsacker» (bei der Hero, an der Ecke Niederlenzer Kirchweg/Breitfeldstrasse), «Löwen» (im Brättligäu, am Schlossberg) und «Strafanstalt» diente sie der Versorgung des Stadtgebietes mit elektrischer Energie. Dieses sogenannte Primärnetz wurde damals von der Motor AG (später Motor-Columbus AG) aus Baden betrieben. Sie hatte von 1898 bis 1902 das Wasserkraftwerk Beznau an der Aare errichtet, und deshalb nannte man diese Transformatorenstationen «Beznauturm».
Als das Aargauische Elektrizitätswerk AEW die Spannung im Zuleitungsnetz von 8 auf 16 Kilovolt erhöhte, mussten von 1949 bis 1954 sämtliche Transformatoren etappenweise von der alten auf die neue Spannung umgewickelt werden. Dies löste den Neubau der Transformatorenstation «Zweifel» aus und brachte den dortigen «Beznauturm» zum Verschwinden (vgl. dazu die nächste Abbildung).
Wo sich heute das Gerichtsgebäude erhebt, lagen früher zwei Abstellgleise des Stadtbahnhofs, und zwischen diesen und dem Malagarain ein Lagerplatz. Dieser diente bis 1931 der Eisenwarenfirma Schwarz (heute Schwarz Stahl AG im Areal zwischen Murackerstrasse und Industriestrasse südwestlich des Bahnhofs), die hier mit Bahnwagen beliefert wurde. Von ca. 1950 bis ca. 1970 hatte der Gartengestalter Eugen Moser hier sein Steinlager. Damals wurden bei der Gartengestaltung häufig Granitplatten aus den Tessiner Steinbrüchen verwendet, die mit der Bahn angeliefert wurden. So ist z.B. die Umgebung der Stadtkirche mit Granitplatten belegt.

Bild: Das Areal, wo heute das Bezirksgerichtsgebäude steht, aufgenommen 1975
. Bildquelle: Fotosammlung Stadtbauamt
Auf der Aufnahme erkennt man ungefähr in der Bildmitte das Gebäude der neuen Transformatorenstation «Zweifel». Links davon, etwas höher gelegen, erkennt man die Umfassungsmauer der Malagakellerei von Alfred Zweifel. Die nahe beim Betrieb gelegenen Gleise dienten auch ihm für die Anlieferung des Weins aus Spanien. Rechts des Trafo-Gebäudes erklennt man ein Gerüst. Damit hat es folgende Bewandtnis: Der Malagarain war eine schmale Strasse in enger Kurve ohne Gehweg, seitlich abgeschlossen durch eine Stützmauer bzw. eine steile Böschung. Für die Sicherheit der Fussgänger errichtete man daher einen provisorischen Gehweg auf einem Gerüst.
Der Malagarain wird ausgebaut, die Transformatorenstation abermals neu gebaut
Die Villen zwischen Schützenmattstrasse, Niederlenzerstrasse und Bahndamm waren früheren von weiträumigen Grünflächen umgeben. Mitten durch diesen Grünraum wurde von 1964 bis 1967 die Verbindungsstrasse zwischen der Niederlenzerstrasse und der Hendschikerstrasse gebaut. Vorher hatte der gesamte Durchgangsverkehr die Schützenmattstrasse und ab dem Kronenplatz die Rathausgasse (West-Ost-Verkehr) bzw. den Sandweg und die Kirchgasse (Ost-West-Verkehr) benützt. Damit entstand der Verkehrsknoten Freiämterplatz. In diesen mündete der Malagarain als nach wie vor viel schmalere Strasse als die übrigen Äste der Kreuzung.
1985 musste der Freiämterplatz ausgebaut werden, weil er dem hohen Verkehrsaufkommen nicht mehr gewachsen war und der Belag erneuert werden musste. Dies zog eine Anpassung und einen Ausbau des Malagarains mit erheblicher Verbreiterung nach sich. Die Transformatorenstation von 1950 stand diesem Ausbau im Weg und musste durch einen Neubau ersetzt werden.

Bild: Die 1985 neu erstellte Transformatorenstation «Zweifel»
Bildquelle: Rechenschaftsbericht der Stadt Lenzburg 1985
Selbstverständlich gab es weitere Veränderungen am Malagarain mit dem Bau der Kernumfahrung. Die Fussgänger werden nun auf einem separaten Rad- und Gehweg an der Überdeckung «Erlengut» vorbei in die Marktmatten bzw. auf die Überdeckung geleitet.
Die Transformatorenstation «Zweifel» ist heute in den Untergeschossen in das Gerichtsgebäude integriert und über dessen Parkierungsgeschoss zugänglich.
Neuer Park; Dreifachweiche als Erinnerungsstück
Im ehemaligen Bahnhofareal ausserhalb des Gerichtsgebäudes hat die Stadt Lenzburg einen Park gestaltet, bepflanzt mit zahlreichen Bäumen, welche in einigen Jahren in der warmen Jahreszeit willkommenen Schatten spenden werden. Im Park sind die Rad- und Gehwege vom Freiämterplatz in die Marktmatten und von der Überdeckung «Erlengut» via den ehemaligen Bahntunnel ins Gebiet nördlich des Bahndamms miteinander vernetzt worden.
Im Moment liegt vor dem Tunnel noch eine dreieckförmige leere Kiesfläche. Hier wird ein Erinnerungsstück an den alten Stadtbahnhof montiert werden: Die Dreifachweiche. Am südlichen Ende des Stadtbahnhofs lag eine Dreifachweiche, d.h. eine Weiche, die vom Stammgleis sowohl nach links wie nach rechts einen abzweigenden Strang aufweist. Sie ist eine Rarität und war seinerzeit wegen der engen Platzverhältnisse nötig: Um auf der kurzen Distanz zwischen dem Bahnübergang der Bahnhofstrasse und der Laderampe der ehemaligen Geschirrhandelsfirma Willener, Rupp & Cie. (heute Villeroy & Boch bzw. Einrichtungsgeschäft Spectrum) auf der einen Seite und dem Bahnhofgebäude auf der anderen Seite je ein zusätzliches Gleis zu haben, konnte man nicht – wie sonst üblich – zwei Weichen hintereinander verlegen, sondern musste sich mit einer Dreifachweiche behelfen, die ab demselben Ausgangspunkt zwei Abzweigungen zuliess.

Bild: Die Dreifachweiche des Bahnhofs Lenzburg Stadt
Bildquelle: Fotosammlung Stadtbauamt
Mit dem aufgehobenen Seetalbahnteilstück befassen sich übrigens weitere «Zeitreisen» im Band 1 der gedruckten Ausgabe auf den Seiten 72-97 mit den Titeln: Der Eisenbahntunnel, durch den kein Zug mehr fährt; die Spitzkehre; der Stadtbahnhof (November und Dezember 2020, Januar 2021).
Titelbild: Der «Gedankenspeicher» von Paul Takács vor dem neuen Gerichtsgebäude. Bildquelle: Broschüre Bezirksgericht Lenzburg, Neubau, September 2025, Immobilien Aargau
Über
We Love Lenzburg macht jeden Monat eine Reise ins vergangene Lenzburg.
Christoph Moser, 77, war von 1979 bis 2010 Lenzburger Stadtschreiber.
Seit seiner Pensionierung betreut er das Stadtarchiv, verfasst Vorträge zu historischen Themen und wirkt als Stadtführer. Sein Motto: Die Auseinandersetzung mit der Geschichte hilft uns, unsere Gegenwart besser zu verstehen.